Montag, August 16, 2010

Oracle beerdigt offene Entwicklung

Oracle hat das Opensolaris-Projekt beendet. Die Entwicklung von Solaris wird künftig ohne das Opensolaris-Team erfolgen. Ausgewählter Quellcode wird erst veröffentlicht, nachdem eine offizielle Solaris-Version erscheint. Bis Ende 2010 wird Oracle die Binärversion Solaris 11 Express unter einer kostenlosen RTU-Entwickler-Lizenz veröffentlichen.



Oracle ändert das bisherige Solaris-Entwicklungsmodell: Künftig wird der Source-Code von Solaris erst nach der Veröffentlichung der kommerziellen Version freigegeben. Bislang war im Rahmen des Opensolaris-Projekts täglich (Nightly Builds) beziehungsweise alle zwei Wochen eine Entwicklerversion des Unix-Betriebssystems erschienen, die dann in die offiziellen Variante mündete.

Diese Binärversionen wird es künftig nicht mehr geben. Auch die Veröffentlichung der Opensolaris-Version 2010.05 wurde gestrichen. Man wolle sich gänzlich auf die Entwicklung von Solaris 11 konzentrieren, erkläre Oracle in einer E-Mail an die Entwickler. Oracle-Vize Fowler hatte vor wenigen Tagen die Roadmap für Solaris 11 vorgestellt.

Damit bleiben die quelloffenen Projekte wie Opensolaris, Nexenta, Belenix oder SchilliX bei der Entwicklung von Solaris außen vor. Sie können zwar weiterhin den CDDL-lizenzierten Quellcode für ihre Projekte verwenden, sind aber darauf angewiesen, was ihnen Oracle vorsetzt. Wie lange die Entwickler freier Varianten nach Erscheinen einer Solaris-Version auf den Quellcode warten müssen, ließ die zunächst nur intern verteilte E-Mail offen.

An der gegenwärtigen Lizenzierung will Oracle jedoch nichts ändern. Man werde auch weiterhin weite Teile des Quellcodes unter der CDDL veröffentlichen und wie bisher den Quellcode nur weniger Anwendungen unter geschlossene Lizenzen stellen. Auch die bisher unter andere freien Lizenzen gestellten Komponenten, etwa im Desktopbereich, bleiben unangetastet.

Nur ausgewählte Partner können künftig über das Oracle Technology Network (OTN) auf den Quellcode von Solaris zugreifen, so Oracle. Zusätzlich sollen Kunden über das Solaris 11 Platinum Customer Program Anregungen für die Entwicklung der nächsten Versionen einbringen können. Eine Dokumentation über technische Neuheiten in kommenden Solaris-Versionen wird ebenfalls nur im Rahmen des OTN freigegeben.

Bis Ende 2010 wird Oracle die Binärversion Solaris 11 Express unter einer kostenlosen RTU-Entwickler-Lizenz veröffentlichen. Dafür will Oracle optional Support bieten und das Betriebssystem mit Updates bis zum offiziellen Erscheinungstermin von Solaris 11 im Jahr 2011 versorgen.

An freien Projekten, die für die Entwicklung von Solaris relevant sind, will sich Oracle weiterhin aktiv beteiligen. Dazu gehören unter anderem die Projekte Gnome, X11, Apache, OpenSSL oder Perl. Entwicklungen von Oracle werden in die Projekte zurückfließen.

Bis zuletzt hatte die Opensolaris-Gemeinde noch verzweifelt versucht, das Projekt zu retten. Das kürzlich gegründete Illumos-Projekt will die Entwicklung einer quelloffenen Solaris-Variante weiterführen. Illumos verwendet dafür den Kern des Opensolaris-Projekts OS/Net.
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