Freitag, November 05, 2010

Freiheit für Openoffice

Die Entwicklerszene für die kostenlose Bürosoftware bricht auseinander. Sie hadert mit Oracle.

Nach der Sun-Übernahme durch Oracle rumort es in der Openoffice-Szene. Viele Entwickler der kostenfreien Bürosoftware - eines Konkurrenzprodukts zu Microsofts Office - sind frustriert. Jüngst kehrten 33 Mitglieder der deutschen Openoffice-Gemeinde Sun den Rücken. Thomas Krumbein, Vorstand des deutschen Openoffice-Vereins, nennt die Trennung einen "Befreiungsschlag".

Oracle hatte das IT-Unternehmen Sun Anfang 2010 für 7 Mrd.Dollar gekauft und damit das Softwareprojekt Openoffice, an dem neben Sun-Angestellten auch freie Entwickler arbeiten. Bereits Ende September kündigten Mitglieder der Openoffice-Community die Gründung der unabhängigen Stiftung The Document Foundation an, um das Projekt nach ihren Vorstellungen voranzutreiben. Sie luden Oracle ein, der Stiftung beizutreten - auch um die Markenrechte am Namen Openoffice.org einzubringen. Doch der Softwarekonzern ließ lediglich mitteilen, er werde Openoffice.org weiter unterstützen. Die freien Entwickler wichen für ihre Version vorsorglich auf den Namen Libreoffice aus.

"Offensichtlich hat es bei der künftigen Strategie Diskrepanzen gegeben", sagt Ralf Kaumanns von der IT-Beratung Accenture. Er stellte in einer Studie fest, dass für freie Softwareentwickler Motivation eine wichtige Rolle spielt - ebenso wie das Projektziel. Geld spielt eine untergeordnete Rolle, obwohl das Geschäft von Software mit offenen Programmcodes boomt: Der Marktforscher IDC sieht den Umsatz bis 2013 auf 8 Mrd. Dollar wachsen von derzeit knapp 5 Mrd. Dollar.

Der Markt ist den Experten zufolge schwer abzuschätzen, denn die Konzerne verdienen am meisten an Dienstleistungen oder Werbung. Große Unternehmen und Open Source schließen sich also nicht aus, auch wenn die Projekte von Ideen freier Entwickler leben. "Nehmen Sie zum Beispiel Google, die schaffen es sehr gut, Entwickler entsprechend zu motivieren", sagt Kaumanns.

Oracle und Sun gelang das allerdings nicht. "Es gab viel Frustration und Stillstand in den letzten zwei Jahren", sagt Krumbein, der auch an der neuen Stiftung mitarbeitet. Seit der Abspaltung habe das Projekt regen Zulauf von freien Entwicklern, denen die Restriktionen von Oracle zu hoch waren. Libreoffice entwickele sich schon jetzt in eine neue Richtung. Natürlich sei es ein Nachteil, Sun nicht mehr im Rücken zu haben. Libreoffice muss die Kosten für vier Server nun allein tragen. Doch Krumbein ist zuversichtlich: Große Namen wie Red Hat, Novell und Google unterstützen die Document Foundation.

Und Krumbeins Pläne gehen weiter: Er will die Document Foundation nach Deutschland holen. "Deutschland war die Keimzelle von Openoffice.org und das soll auch so bleiben."


Das deutsche Office
Aus der Heide ... Openoffice ging aus Staroffice hervor, das ein Startup in Lüneburg entwickelt hat. 1999 übernahm Sun Microsystems die zu der Zeit in Hamburg ansässige Firma. Im Jahr 2000 überführte Sun Staroffice in das Open-Source-Projekt Openoffice.org.

... in die Welt Nach wie vor arbeiten die meisten festen Openoffice-Entwickler in Deutschland. Oracle nennt allerdings keine genauen Zahlen.

trackback Financial Times

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